Heute möchte ich eine wahre Geschichte erzählen, die mich sehr berührt hat.
Vor ungefähr 45 Jahren haben wir in unserem Garten einen Jasminstrauch gepflanzt. Viele Jahre hat er uns im Mai mit seinen duftenden Blüten erfreut.
In den letzten Jahren sind immer mehr Äste trocken geworden und er hat auch fast nicht mehr geblüht. Außerdem war er von einer Unzahl von Schädlingen befallen.
Unser Entschluss war, ihn ganz abzuschneiden und auszugraben. Ausgraben stellte sich als unmöglich heraus. Deshalb hat mein Mann rund um den Wurzelstock die Erde aufgegraben und mit der Motorsäge, soweit es möglich war, den Wurzelstock abgetragen.
Im kommenden Frühjahr wuchsen kleine, frische Triebe heraus. Im Vorjahr hatte er schon einige Blüten.
Heuer steht er vor mir, mindestens 2,5 Meter hoch, mit ausladenden Ästen, übersäht mit unzähligen Blüten.
Ich stehe staunend vor ihm und verneige mich im Geist vor dieser Kraft, vor dem Leben, das da aus dem Boden herausgewachsen ist, obwohl er zum Sterben verurteilt war.
Es tut mir in der Seele weh, wenn ich daran denke, wie wir mit ihm umgegangen sind.
Jetzt steht er triumphierend als Sieger vor mir. Nicht überheblich. Nein, sondern als liebevoller Lehrer für mich.
Er sagt mir: "Glaube an die unermessliche Kraft in dir, auch wenn du sie nicht sehen kannst. Sie ist da und du schaffst Dinge, mehr als du dir vorstellen kannst!"
Ich danke meinem großen und liebevollen Lehrer mit großer Wertschätzung und Demut und genieße den betörenden Duft seiner Blüten noch mehr.
